Die älteste Glashütte der Region war die Fahrenhütte, gegründet 1750. Sie produzierte im 17. Jahrhundert etwa 20 Jahre lang vor allem Genever- Flaschen für den holländischen Markt. Die Ware wurde über den Ochsenweg bis Amsterdam transportiert. Von der Hütte ist nichts geblieben. Aber noch heute finden sich in Fahrendorf nach dem Umpflügen landwirtschaftlicher Flächen Flaschenreste auf dem Acker, wovon viele im Glasmuseum gelandet sind und den Besuchern gezeigt werden.

 

1846 gründeten Bremervörder Bürger die Marienhütte (benannt nach der Enkelin des unterstützenden Königs von Hannover und England, Georg der V.). Man setzte auf Torf als Brennstoff und Sand aus den Moorseen als Basis einer Glasproduktion. Beides war ein Trugschluss, aber die Hütte war trotzdem erfolgreich. Erste Produkte waren Glasscheiben und einfache Hohlgläser. Mit Herrmann Lamprecht und insbesondere seiner Entwicklung des Tropfenzählers (1882) wurde das Sortiment auf Medizingefäße jeder Art ausgeweitet und konnte weltweit verkauft werden. Durch kluge Patentschutzpolitik wurde sehr viel Geld verdient, damit die dritte Ausbaustufe für gewerbliche Gläser jeder Art (von der Maggiflasche bis hin zu Bierflaschen und Einweckgläsern) finanziert werden konnte.

 

 Patentschrift des Tropfenzählers von 1885

 

Zwei zugekaufte weitere Glaushütten beteiligten sich an der Produktion. Mit dem Tod von Herrmann Lambrecht im Jahr 1909 war der Höhepunkt der Marienhütte überschritten. 1976 mussten die Pforten geschlossen werden.

 

Karlshöfener Bauern gründeten Mitte des 18. Jahrhunderts (1857) die Carlshütte, als Konkurrenz der Marienhütte. Nach 70 Jahren musste 1927 die Produktion eingestellt werden. Produziert wurde überwiegend Tafelglas. Aus dem Zusammenbruch der Carlshütte 1927 erwarb der Gnarrenburger Müller Wilhelm Gulau die Glasscheiben aus dem Lagerbestand, um daraus die bald sehr erfolgreichen Gulau - Glasdachpfannen zu formen, die in Nordeuropa sehr gut verkauft wurden. Die Glashütte brannte nach dem 2. Weltkrieg ab.

An diesem Standort entwickelten sich ab 1951 die Vorläufer der heute noch existierenden Brilliant AG für Leuchten (heute Logistikzentrum in Karlshöfen). Kurt Lippold war Eigentümer. Otto Tschammer brachte für die Brilliant Glashütte ein Lampengläser-Sortiment auf den Markt . Heute ist der Standort ein Logistikzentrum für in China produzierte Leuchten.

 

     

Glasmuseum Gnarrenburg / Lamprechts Flaschen (Tropfenzähler)

 

Diese lange Tradition wird in einem Museum dokumentiert, das sein neues Domizil (früher in Augustendorf) im alten Vogler-Bahnhof in Gnarrenburg gefunden hat. Hier werden Exponate gezeigt, sowie Gerätschaften, die zeigen wie Glas früher hergestellt wurde, Produkte aus mehr als 150 Jahren Glasproduktion in Gnarrenburg und Dokumente aus den verschiedenen Glashütten.

 

                                                                                                                                               Foto: Helmut Kück


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