Unsere Museumsarbeit
Im Glasmuseum Gnarrenburg
Museen sind weit mehr als Orte, an denen historische Gegenstände ausgestellt werden. Hinter jeder Ausstellung stehen zahlreiche Aufgaben, die meist im Verborgenen stattfinden. Der Internationale Museumsrat (ICOM) beschreibt diese Arbeit anhand von fünf zentralen Säulen: Sammeln, Bewahren, Forschen, Ausstellen und Vermitteln. Auch unsere Museumsarbeit orientiert sich an diesen Grundprinzipien – mit dem Ziel, die Geschichte der Gnarrenburger Glasindustrie dauerhaft zu bewahren und für kommende Generationen lebendig zu halten.
Sammeln
Die Grundlage jeder Museumsarbeit ist das Sammeln.
Damit Geschichte nicht verloren geht, sammeln wir die materiellen und immateriellen Zeugnisse der Gnarrenburger Glasindustrie. Dazu gehören Glasprodukte ebenso wie Fotografien, Dokumente, Werbematerialien, Werkzeuge und persönliche Erinnerungen ehemaliger Mitarbeiter.
Unser Sammlungsauftrag konzentriert sich dabei bewusst auf die Glasindustrie in Gnarrenburg und ihre Entwicklung. Nicht die Menge der Objekte steht im Mittelpunkt, sondern ihre Bedeutung für die Geschichte unserer Region.
Viele Exponate gelangen als Schenkungen oder Leihgaben zu uns, andere erwerben wir. Ebenso wertvoll sind die Geschichten, die Menschen mit ihnen verbinden. Oft erschließt sich die Bedeutung eines Objekts erst durch die Erinnerungen derjenigen, die es genutzt oder hergestellt haben.
Bewahren
Sammeln allein genügt nicht. Die uns anvertrauten Zeugnisse der Gnarrenburger Glasindustrie müssen auch langfristig erhalten werden.
Deshalb dokumentieren wir unsere Sammlungsobjekte, erfassen ihre Herkunft und sorgen für eine möglichst schonende Aufbewahrung. Empfindliche Glasobjekte, historische Fotografien und Dokumente benötigen unterschiedliche Formen der Sicherung, damit sie auch zukünftigen Generationen erhalten bleiben.
Ein wichtiger Bestandteil unserer Museumsarbeit ist außerdem die Digitalisierung historischer Quellen. Alte Fotografien, Negative und Dokumente werden hochauflösend digitalisiert und archiviert. So lassen sich wertvolle Originale schonen und gleichzeitig dauerhaft sichern.
Bewahren bedeutet für uns aber nicht nur den Erhalt von Gegenständen. Manche Objekte überdauern Generationen. Das Wissen über sie oft nicht. Deshalb gehört auch das Festhalten von Erinnerungen und Zeitzeugenberichten zu unserer Aufgabe.
Forschen
Museen bewahren Geschichte nicht nur – sie erforschen sie.
Viele Objekte erzählen ihre Geschichte nicht von selbst. Wer hat sie hergestellt? Wann sind sie entstanden? Wofür wurden sie genutzt? Welche Menschen stehen hinter ihnen? Antworten auf diese Fragen entstehen durch kontinuierliche Recherche und Dokumentation.
Deshalb arbeiten wir regelmäßig mit historischen Quellen wie Archiven, Zeitungen, Firmenunterlagen, Fotografien und privaten Nachlässen. Ebenso wertvoll sind Gespräche mit Zeitzeugen sowie ehemaligen Mitarbeitern der Gnarrenburger Glashütten. Ihre Erinnerungen ergänzen schriftliche Quellen und helfen dabei, historische Zusammenhänge besser zu verstehen.
Neue Erkenntnisse fließen unmittelbar in unsere Ausstellung, unsere Führungen und unsere Veröffentlichungen ein. Geschichte ist niemals vollständig erzählt. Mit jeder neuen Quelle, jedem Zeitzeugenbericht und jedem bislang unbekannten Foto erweitert sich unser Wissen über die Glasindustrie in Gnarrenburg.
Ausstellen
Museen machen ihre Sammlungen für die Öffentlichkeit zugänglich.
Eine Ausstellung ist dabei weit mehr als die Präsentation einzelner Objekte. Sie ordnet Exponate in ihren historischen Zusammenhang ein und erzählt die Geschichten der Menschen, Unternehmen und Ereignisse, die mit ihnen verbunden sind.
Im Glasmuseum Gnarrenburg verbinden wir originale Exponate mit historischen Fotografien, Dokumenten, Werkzeugen, Modellen sowie einer durchdachten Ausstellungs- und Lichtgestaltung. So entstehen unterschiedliche Zugänge zur Geschichte – vom einzelnen Glasobjekt bis zur Entwicklung einer ganzen Industrie.
Unsere Ausstellung entwickelt sich kontinuierlich weiter. Neue Forschungsergebnisse und Exponate fließen regelmäßig in die Gestaltung ein. Unser Ziel ist es nicht, möglichst viele Objekte zu zeigen. Unser Ziel ist es, Geschichte verständlich, erlebbar und emotional nachvollziehbar zu vermitteln.
Vermitteln
Museen bewahren Wissen nicht für sich selbst – sie geben es weiter.
Deshalb gehört die Vermittlung zu den wichtigsten Aufgaben unserer Museumsarbeit. Unser Ziel ist es, historische Zusammenhänge verständlich, anschaulich und für unterschiedliche Generationen erlebbar zu machen.
Dies geschieht durch persönliche Führungen, Vorträge, Sonderveranstaltungen, Veröffentlichungen sowie den direkten Austausch mit unseren Besuchern. Dabei vermitteln wir nicht nur Fakten über Glas und seine Herstellung, sondern erzählen vor allem die Geschichte der Menschen, die über Generationen hinweg die Glasindustrie in Gnarrenburg geprägt haben.
Museumsarbeit endet nicht an der Vitrine. Sie beginnt dort, wo Geschichte Menschen miteinander ins Gespräch bringt. Fragen, Erinnerungen und persönliche Erfahrungen unserer Besucher bereichern unsere Arbeit und tragen dazu bei, das Wissen über die regionale Geschichte gemeinsam weiterzuentwickeln.
Diese fünf Aufgaben bilden die Grundlage unserer Museumsarbeit. Gemeinsam tragen sie dazu bei, die Geschichte der Gnarrenburger Glasindustrie zu bewahren, weiterzuentwickeln und für kommende Generationen lebendig zu halten.

